Senatorin Dilek Kalayci (Foto: Nils Bornemann)
Senatorin Dilek Kalayci (Foto: Nils Bornemann)

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Berlinerinnen und Berliner,

die Berliner Woche der seelischen Gesundheit findet in diesem Jahr zum 15. Mal statt. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Seelische Gesundheit in der Familie“

Mittlerweile dauert die Covid-19 Pandemie bereits länger als ein Jahr. Diese Zeit hat den gewohnten Alltag in den Familien vollständig verändert und löst viele Verunsicherungen aus. Von einem Tag auf den anderen wurden Kitas und Schulen geschlossen oder die Präsenzpflicht an Schulen ausgesetzt.

Für viele Kinder und Jugendlichen ist die Schule und das Lernen durch die Covid-19 Pandemie anstrengender als in der Zeit davor. Sie haben Probleme, den schulischen Alltag zu bewältigen. Und es wundert kaum, dass den Kindern und Jugendlichen die gewohnte Tagesstruktur und ihre Freunde fehlen. Es bestehen nur noch begrenzte Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Zudem bestehen Einschränkungen im Bereich sozialer Kontakte.

Auch für die Eltern gestaltet sich der Alltag öfter herausfordernd. Viele Eltern sind nicht mehr wie üblich an ihrem Arbeitsplatz und befinden sich überwiegend im Homeoffice. Einige von ihnen unterstützen die Kinder und Jugendlichen zusätzlich bei ihren schulischen Aufgaben. Teilweise kommen zudem existenzielle Sorgen wegen eingeschränkter Verdienstmöglichkeiten, Kurzarbeit oder Verlust des Arbeitsplatzes hinzu. Der Alltag findet auf einmal in den „heimischen vier Wänden“ statt. Und dort konnte es plötzlich mit allen Familienmitgliedern einfach zu „eng“ werden.

Hinzu kommt, dass viele Familien ihre näheren Verwandten über einen längeren Zeitraum nicht mehr sehen konnten. Damit sich die Großeltern nicht anstecken können, wurde auf die regelmäßigen Besuche verzichtet.

Der Alltag kann dann schnell zu einer großen belastenden Herausforderung für alle Familienmitglieder werden. Darunter kann auch die psychische Gesundheit leiden.

In der Familie spielen Themen wie Wegfall von Tagesstruktur, Verlust von Autonomie, Verlust von Lebensqualität, Zukunftsängste, niedergeschlagene oder anders ausgelenkte Stimmungen wie auch Aggressionen eine deutliche Rolle. Diese psychosozialen Stressoren haben, das Potential, langfristig zu psychischen Symptomen oder gar Erkrankungen beizutragen.

Psychische Belastungen wie auch Erkrankungen können in allen Familien vorkommen. Ob ein Kind, oder ein Elternteil erkrankt – betroffen ist immer die ganze Familie. Die Belastung eines Familienmitglieds ist für alle eine große Herausforderung. Es ist darum zentral, dass bei der Bearbeitung der Stresssituation die ganze Familie berücksichtigt wird und alle Unterstützung erhalten: Eltern, Kinder und alle weiteren Bezugspersonen.

Über Ängste, Probleme und Unsicherheiten zu sprechen, ist häufig schwer, aber der erste Schritt zur Verbesserung. Deshalb ist die gesamte Familie gefragt. Sie alle können einen Beitrag leisten, wenn ein Familienmitglied psychisch belastet ist. 

Es ist wichtig, dass die Familienmitglieder, nicht nur in Zeiten der Krise, eine Ansprechperson haben, wo sie Gehör finden und durch die belastende Situation begleitet werden.

Beim Thema Gesundheit steht oft die körperliche Gesundheit im Vordergrund. Dabei darf die psychische Gesundheit der Menschen allen Alters nicht außer Acht gelassen werden, sowohl während als auch außerhalb des Krisenmanagements.

Die 15. Berliner Woche der seelischen Gesundheit mit dem diesjährigen Schwerpunktthema „Seelische Gesundheit in der Familie“ greift das wichtige Thema der psychischen Gesundheit bei allen Familienmitgliedern und bietet einen Ort des Gespräches an.

Ich wünsche sowohl allen Veranstaltenden als auch den Teilnehmenden eine interessante Woche und einen konstruktiven Austausch.

Ihre Dilek Kalayci

Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung“


Wie können wir noch mehr Organisationen überall in Deutschland gewinnen, Teil der Aktionswoche zu werden? Wie können wir Sie bei Ihren Aktionen und Veranstaltungen optimal unterstützen?

Im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche Seelische Gesundheit (8.-18. Oktober) führen wir momentan eine kurze Umfrage durch. Diese richtet sich an gemeinnützige Vereine, Selbsthilfegruppen und andere Organisationen, die sich für die Aufklärung über psychische Gesundheit und für Entstigmatisierung einsetzen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich kurze 5 Minuten Zeit nehmen und unter folgendem Link die Umfrage beantworten: https://www.surveymonkey.de/r/TT5F2YD

Bei Fragen können Sie uns gern jederzeit eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schicken.

Leiten Sie die Umfrage auch gern an weitere interessierte aus Ihrem Netzwerk weiter.

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung!


Die Auftaktveranstaltung zur bundesweiten & 14. Berliner Woche der seelischen Gesundheit fand aufgrund der aktuellen Corona-Lage erstmals in digitaler Form statt. Unter dem Motto „Mit Kraft durch die Krise. Gesund bleiben – auch psychisch“ diskutierten Betroffene und Expert/innen über die Zusammenhänge von Corona und Psyche und gaben praktische Tipps zum Umgang mit der Krise. Mehr als 1500 virtuelle Besucher verfolgten die Talkrunde über den Live-Stream auf Facebook und den Youtube-Kanal des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit und stellten im Live-Chat Fragen an die Experten.

Eröffnet wurde der Abend vom Berliner Landesbeauftragten für Psychiatrie, Dr. Thomas Götz, in Vertretung der Schirmherrin und Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dilek Kalayci. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Björn Böhning, wies in einer Videobotschaft auf die Bedeutung der Aktionswoche in der Corona-Krise hin und stellt kurz die aktuell gestartete Offensive für psychische Gesundheit der drei Ministerien für Gesundheit, Arbeit und Familie vor.

Prof. Andreas Meyer-Lindenberg, Leiter des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim, lieferte mit seinem Impulsvortrag zu den psychischen Folgen der Krise den Einstieg in die Diskussion. Erste Studien zeigten, dass es eine Zunahme von stressbedingten Belastungsstörungen und Suchtverhalten in der Bevölkerung durch die Krise gäbe. Je länger die Pandemie dauert, umso mehr Probleme hätten die Menschen, mit den sozialen Einschränkungen im Alltag klar zu kommen. Dies gelte ganz besonders für bereits psychisch erkrankte Menschen, die auch ein höheres Risiko haben, an Covid 19 zu erkranken. Daher sei es wichtig, Strategien zur wirksamen Stressbewältigung in der Ausnahmesituation zu vermitteln.

Die anschließende Expertenrunde wurde von Dr. Iris Hauth, ärztliche Direktorin des Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee und Mitinitiatorin der Aktionswoche geleitet. Sie stellte zu Beginn drei Best Practice Projekte vor, die ganz praktische Hilfen für verschiedene Zielgruppen entwickelt haben: die Online-Angebote der Jugendnotmail, das erste Mental Health Café in München sowie die Hilfen für Arbeitgeber der Mental Health Agentur Shit Show. Die Gründerin des Mental Health Cafés und Bloggerin Dominique de Marné war auch Gast auf dem Podium. Sie betonte, dass Betroffene, die schon viele Krisenerfahrungen gemacht hätten, häufig sogar besser mit der aktuellen Situation umgehen und anderen helfen könnten: „Es gibt aber kein Patentrezept für die Krise, jeder muss seinen eigenen Weg finden, um mit schwierigen Gefühlen in dieser Zeit achtsam umzugehen“.

Als Expertin zum Thema E-Mental-Health berichtete Dr. Maria Böttche von der FU Berlin über ihre Erfahrungen mit Online-Therapien und neuen digitalen Angeboten. Durch die Krise musste in den letzten Monaten der persönliche Kontakt zum Therapeuten verstärkt durch Online-Programme ersetzt werden, was für die Beziehungsarbeit aber keine negativen Auswirkungen habe. Selbst ältere Patienten kämen mittlerweile gut mit digitalen Hilfen klar, die in Zukunft eine immer größere Rolle spielen würden.

Auch der Leiter des Berliner Krisendienstes Gerd Pauli sieht sich durch die Corona-Pandemie mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Rund um die Uhr stehen die 250 Mitarbeiter des Krisendienstes den BerlinerInnen in akuten Notfällen zur Seite. Diese niedrigschwelligen Hilfen müssten gerade in der Corona-Krise in finanzieller und technischer Hinsicht weiter ausgebaut werden, um auf die steigende Nachfrage reagieren zu können.

Zum Abschluss der Auftaktveranstaltung präsentierte die Berliner Songwriterin und Mental Health Aktivistin Marie Gunst per Video einen Song aus ihrem Konzeptalbum „Depression unplugged“.

Die Aufzeichnung der Auftaktveranstaltung ist weiterhin auf dem Youtube Kanal des Aktionsbündnisses zu sehen.

Einen Rückblick zur Aktionswoche mit Pressestimmen finden Sie hier.


In diesem Jahr ist alles anders – umso mehr freuen wir uns über die zahlreichen tollen Angebote. Doch nicht immer klappt alles wie geplant.

Aktuelle Änderungen im Programm finden Sie hier:

14.10., 19:00 Uhr: Veranstaltung „Gemeinsam sind wir stark“ findet von 19:00-21:00 Uhr statt (falsche Angabe im gedruckten Programmheft: 13:30-15:30 Uhr)

15.10. 18-20 Uhr: Veranstaltung "Psychodynamische (teil-)stationäre Psychosomatische Medizin und Psychotherapie" muss leider entfallen!

15.10., 19:00 Uhr: Kino-Veranstaltung "Der Junge muss an die frische Luft" findet von 19:00-22:00 Uhr statt (falsche Angabe im Programmheft: 18:00-19:00 Uhr)

15.10., 17:00 Uhr: Veranstaltung "Mittendrin im Kiez" entfällt!

20.10., 15:00 Uhr: Veranstaltung "Diagnose Autismus - Was nun?" entfällt!

20.10., 17:00 Uhr: Veransatltung „Große Poesie von nebenan – Die Schreibwerkstatt der USE" entfällt!

20.10., 18:15 Uhr: Veranstaltung "Texte von Menschen im Autismus-Spektrum" entfällt!

 


Senatorin Dilek Kalayci (Foto: Nils Bornemann)
Senatorin Dilek Kalayci (Foto: Nils Bornemann)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Berlinerinnen und Berliner,

Die Berliner Woche der seelischen Gesundheit findet in diesem Jahr zum 14. Mal statt. Sie steht in diesem Jahr unter dem hochaktuellen Motto „Mit Kraft durch die Krise. Gesund bleiben – auch psychisch“.

Die Corona-Pandemie in ihrem gesamten Ausmaß hat uns alle überrascht. Wer hätte sich im Januar vorstellen können, dass Schulen, Kindertageseinrichtungen, der Einzelhandel, die Gastronomie und viele weitere Bereiche des täglichen Lebens über Wochen bzw. Monate schließen würden? Dass es Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht geben könnte? Dass Behörden und Verbände der Freien Wohlfahrtspflege ihre Leistungen nicht mehr wie gewohnt erbringen können?

Die AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmasken haben wir inzwischen gelernt, um unser Leben so normal wie möglich weiter zu führen.

Mit Kraft durch die Krise. Gesund bleiben – auch psychisch“. Dieses Motto zeigt bereits, dass es um weit mehr als Infektionsschutz geht. Wir haben Situationen erlebt, die wir uns bislang nicht vorstellen konnten. Große und kleine Unternehmen bangten um ihre Existenz, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten um ihre Arbeitsplätze und damit um die finanzielle Sicherheit ihrer Familien fürchten.

Kinder wurden via Internet beschult. Eltern mussten dies, während sie zum Teil selbst im Homeoffice arbeiteten, begleiten. Sie mussten betreuen, motivieren und trösten, wenn die Freunde so sehr vermisst wurden. Konflikte schlichten, wenn die „heimischen vier Wände einfach zu eng“ wurden. Entlastungsmöglichkeiten wie Putzhilfen oder Kinderbetreuung entfielen. Die Sorge um die schulische Bildung, die so wichtig für die Zukunft ist, war groß.

Die Befürchtung, häusliche Gewalt könnte zunehmen, hat sich leider bestätigt.

Die alten Menschen, die als Risikogruppe für schwere Verläufe benannt wurden, drohten durch die Kontaktbeschränkungen zu vereinsamen und Depressionen nahmen zu. In Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern durften keine Besuche mehr stattfinden.

Im Großen und Ganzen funktionierte der Alltag trotzdem erstaunlich gut! Dennoch: Viele Menschen konnten mit einer solchen Krise ganz gut umgehen, bei anderen wurde die Psyche schwer belastet. Wir wissen aus früheren Krisen, dass in akuten Phasen die Gesellschaft oftmals gut zusammenhält – so auch dieses Mal. Das ändert sich aber irgendwann und die Belastung kommt erst nach einem halben Jahr so richtig zu Tage. Oder man steht gar vor den Scherben der Existenz. Der Widerstand gegen die Schutzmaßnahmen wächst, auch sich verbreitende Verschwörungstheorien nähren die Ängste. Im Vergleich zu normalen Stichproben zeigen sich erhöhte Werte für Angst und Depressionen. Die Leute sind unruhiger, nervöser und haben vermehrt Schlafstörungen. Insgesamt sind das ernst zu nehmende Faktoren.

Eine besondere Herausforderung stellte für infizierte Menschen oder für Menschen mit einem Infektionsverdacht die Quarantäne dar. Hier wurde unbürokratisch eine spezielle Beratungshotline eingerichtet.

Um wie vieles härter muss die Krise mit ihren Auswirkungen Menschen mit psychischen Erkrankungen getroffen haben? Es wurden alle Anstrengungen unternommen, gerade schwer psychisch kranke Menschen in der Situation nicht allein zu lassen und besonders auch Krankenhauseinweisungen zu vermeiden - was auch weitestgehend gelungen ist –. Allerdings konnten die Betreuungsleistungen nicht wie bisher erbracht werden, sondern mussten oft in alternativer Form (per Telefon, Video) erfolgen. Es bleibt abzuwarten, ob sich daraus negative Effekte entwickeln.

Mit der diesjährigen Woche der seelischen Gesundheit haben wir nun die Möglichkeit, die Krise selbst, die Folgen und die getroffenen Maßnahmen zu reflektieren. Eine zweite Corona-Welle ist nicht auszuschließen und man kann immer dazulernen und Dinge besser machen. In diesem Sinn wünsche ich allen Veranstaltenden und Teilnehmenden einen interessanten und konstruktiven Austausch.

Ihre
Dilek Kalayci
Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung